00:00:20: Hallo und herzlich willkommen bei Agafas Memories.
00:00:24: Das ist mein Podcast zum Werk und zum Leben von Agafa Christie, mein Name ist Manuel Kronast heute Folge onehundert-einundsebzig.
00:00:33: Im Märzala zu sieben dreißig erscheint im Collins Crime Club der Sammelband Murder in the Muse.
00:00:39: er enthält drei Novellas und eine kurze Geschichte.
00:00:44: das besondere an diesem Sammel Band ist nicht nur dass Agafa Christi vorher sich noch nie mit Novellas beschäftigt hat.
00:00:52: Also das ist ja eine literarische Form, die von der Länge her zwischen den Kurzgeschichten und den Romanen rangiert.
00:01:00: Das Besondere an den Novellaz ist auch dass sie eigentlich wenn man so will alle recycelt sind.
00:01:06: Sie haben alle Vorformen aber in jedem Fall ergibt dieses Recycling einen besonderen Mehrwert.
00:01:13: Die erste zum Beispiel Murder in the Muse, die übernimmt Elemente einer der ersten Kurzgeschichten Ärger von Christie's.
00:01:21: Ich sage sie übernimmtelemente weil man erkennt es eigentlich nicht wirklich wieder.
00:01:25: nur wenn man beide nebeneinander stellt merkt man oh ja stimmt das ist da gibt´s gewisse Ähnlichkeiten!
00:01:32: Die Incredible Fefti zweite Novella die ist jetzt tatsächlich eine mehr oder weniger vom Plott und auch von dem Motiv, vom Verbrechen her ist es nur eine erweiterte Fassung.
00:01:47: Auch einer der ersten Kurzgeschichten Erger for Christie – aber auch hier schafft's Erger für Christie dass der größere Raum die größere Seitenzahl der Geschichte sehr gut tut.
00:01:59: Und nun aber die dritte Novella Dead Man's Mirror also der Spiegel des toten Mannes.
00:02:06: Das ist die längste Novella der drei und um sie heute soll es gehen.
00:02:10: Auch sie hat eine kürzere Vorform, nämlich die Kurzgeschichte The Second Gong von neunzerzehn dreißig.
00:02:18: Agatha Christie hat einige Änderungen vorgenommen.
00:02:21: unter anderem ist die schuldige Person eine andere so dass sich beide Geschichten nicht gegenseitig spoilern.
00:02:28: Und auch hier ums gleich mal vorauszuschicken längere Geschichte deutlich besser als die ältere.
00:02:35: Aber auch bei dieser Geschichte handelt sich im Grunde um Gerüst her, um eine ganz klassische Agatha Christie-Geschichte oder auch um eine klassische Kriminalerzählung des Golden Age of Detection.
00:02:50: Das Oberhaupt einer der vielen von Agatha Christies schrägen Familien kommt ums Leben in einem abgeschlossenen Raum.
00:02:57: Es ist ein klassisches Locked Room Mystery.
00:03:01: Alle gehen lange von einem Selbstmord aus, das passiert ja immer in solchen Geschichten.
00:03:06: Aber Porro ebenso wie wir Leser-Innen glauben schon sehr früh nicht daran.
00:03:11: Also wenn man so will nichts Neues unter der Sonne.
00:03:14: aber Deadman's Mirror liefert auf zwei Ebenen.
00:03:19: Zunächst gibt es einen raffinierten Mordplan den Porro brillant durchschaut.
00:03:25: Insofern Golden Age of Detection Add It's Best.
00:03:30: Dann aber ist die Grundkonstellation rumt, um das Mordopfer psychologisch interessanter als es auf den ersten Blick erscheint.
00:03:39: Kurz noch einige Angaben zum Erscheinen.
00:03:41: Ich habe keine Veröffentlichung vor dem Sammelband Murder in the Muse ausfindig machen können.
00:03:46: Die Geschichte, die Novella ist offenbar speziell für den Sammelband neu geschrieben worden.
00:03:53: Diesen Sammelband gibt es übrigens seit einigen Jahren auch in der Originalzusammenstellung auf Deutsch.
00:04:00: Unter dem etwas nicht sagenden und wahrscheinlich nie ganz zutreffenden Titel, Erkühl-Porot schläft nie!
00:04:08: Die Geschichte heißt darin aber originalgetreu – Der Spiegel des toten Mannes.
00:04:14: Die erste Übersetzung in den letzten Jahren, kurz nach dem Tod der Autorin erschien die Titelte noch.
00:04:20: Auch Pünktlichkeit kann töten.
00:04:22: Das ist ein für diese Zeit, für die siebziger-achtziger ganz typischer Agatha Christie Titel bei den deutschen Übersetzungen – möglichst originell rätselhaft effektheischend aber in der Regel und auch hier fast ohne Anhalt an der Geschichte.
00:04:39: Ja, Pünklichkeit spielt eine gewisse Rolle an der einen oder anderen Stelle Aber Sir Gervais stirbt ganz sicher nicht weil er pünktlich war.
00:04:49: Damit sind wir beim Setting.
00:04:51: Porro erhält einen rätselhaften Brief, das passiert öfter am Beginn einer Geschichte.
00:04:55: dieser spezielle Briefe ist geschrieben von Sir Gervais Jévenigore – wunderbare Name!
00:05:02: Er bittet den Privatdetektiv um Hilfe weil er offenbar Opfer eines Betrugs geworden ist.
00:05:09: Worum es geht sagt er nicht, er fordert Porro aber auf sich bereit zu halten um dann ganz kurzfristig zu kommen.
00:05:16: Perot fühlt sich dadurch natürlich ein wenig auf den Schnurrbad getreten, aber sein Interesse ist dann doch geweckt.
00:05:23: In solchen Situationen siegt bei ihm die Neugierde immer über die
00:05:28: Eitelkeit.".
00:05:30: Der Rest des Kapitels gehört ein wenig unvermittelt Mr.
00:05:33: Satterfoyed – dem schon etwas älteren Junggesellen und Hobbydetektiv, den wir aus den Geschichten von Mr.
00:05:42: Quinn kennen.
00:05:43: Womöglich wird die Autorin hier etwas nostalgisch.
00:05:47: Der leicht vertrocknete und doch scharfsinnige, nicht ganz auf zeitgenössische Geschlechterrollen festgelegte Mr.
00:05:54: Sutterweight nämlich ist ihr offensichtlich sehr ans Herz gewachsen – das hat sie selber auch immer wieder mal gesagt!
00:06:01: Vielleicht können Sie ihm hier deshalb sein letzten Auftritt?
00:06:05: Andererseits Mr.
00:06:07: Setterweight ein unübertroffener Experte, wenn es um die Aristokratie geht – denn er ist irgendwie immer dabei.
00:06:17: Er wird immer eingeladen, wenn sich die oberen Zehntausend treffen und der weiß einfach alles über alle!
00:06:23: Insofern also die beste Wahl, wenn Perot etwas über einen Discourielerin vertretet, der Oberschicht wissen will….
00:06:31: Leider ist Mr.
00:06:31: Set of Wight bei der Verfilmung mit David Ciché genauso herausgestrichen worden wie bei der Verfilmung von The Free Act Tragedy.
00:06:41: Damit, wenn man der Wikipedia glauben darf, ist Mr Settofwight der einzige Seriencharakter von Agatha Christie, der nie in einer Verfilming auftaucht.
00:06:50: Selbst Mr Quinn bekommt eine – wenn auch sehr veränderte – Verfilmmung seiner ersten Geschichte.
00:06:57: Schade!
00:06:58: Mr.
00:06:59: Set Up Weight hätte ich gerne mal auf der Leinwand oder im Fernsehen gesehen, aber das nur nebenbei – hier ist er ja da!
00:07:06: Schon dieses erste Kapitel zeigt übrigens den eigentlichen Unterschied zwischen der kurzen und der langen Fassung.
00:07:13: Übrigens, The Second Gong die kürzere Version ist im Juli-Ninzentze Zweiunddreißig im Strand Magazine erschienen.
00:07:20: Ich habe die Geschichte in Folge Hundertfünfzehn besprochen.
00:07:24: In dieser ursprünglichen Geschichte fehlt nämlich das erste Kapitel komplett.
00:07:29: Das Second Gong beginnt am Tatort mit der Dinnagesellschaft und Porro erzählt an dem weiteren Verlauf nur ganz kurz, dass er einen Brief bekommen habe indem er hierher gebeten sei um einem Betrug aufzuklären.
00:07:41: also schon die gleiche Grundsituation aber eben ohne das vorgeschaltete Erste Kapitel.
00:07:47: dabei erfüllt das erste kapitel hier in dieser Novella eine besondere Rolle, in mehrfacher Weise.
00:07:56: Hier kommt Agatha Christie's besonderer Humor zum Beispiel besser zu tragen – sie beginnt.
00:08:01: die ersten Sätze sind eine eronische Schilderung des Arbeitszimmers von Erkühl-Poreau, indem das einzig nicht Quadratische der eiförmige Kopf des Detektivs ist.
00:08:11: Dann kann Mr.
00:08:14: Sutterfreight auftauchen auch das nicht ohne Humor.
00:08:17: vor allem aber setzt Besonders in Szene diese Grundstimmung einer fast schon satirischen Schilderung eines Relikts der englischen Gesellschaft.
00:08:29: Und dann fallen so schöne Sätze wie Originality Bekanns eccentricity as the years go by, also im Verlaufe des Lebens.
00:08:38: wenn Menschen älter werden ist das was man in der Jugend für originell gehalten hat plötzlich exzentrisch und irgendwie nervig.
00:08:49: beginnt auch die Schilderung des Mordopfers, also von Sir Gervais.
00:08:54: Diese Schilderin wird im Laufe der Geschichte immer detaillierter und zeichnet schließlich eine Persönlichkeit, die egoistisch verschlagen naiv, größenwahnsinnig unglaublich reichtragisch.
00:09:10: Immer fortschreitende Anreichung der Persönlichkeit, eine total spannende Charakterisierung geschieht so unmerklich bis am Ende alles infrage steht und man gar nicht mehr so genau weiß was das überhaupt für ein Mensch gestorben ist.
00:09:25: Von Anfang an und das ändert sich nicht wirklich, wird Sir Gervais als Klischee des Abenteuers geschildert.
00:09:32: Ein Traufgänger der sein Betätigungsfeld in den Kolonien findet wo weite Räume sind, wo Abenteuer erlebt werden sollen, wo man einfach mal drauf hauen kann und nicht besonders nachdenken denn auch er ist nicht unbedingt der Hälste.
00:09:49: Und daraus wird dann die Geschichte einer Lebenslüge.
00:09:52: Ich finde höchstmeisterhaft.
00:09:55: Im zweiten Kapitel verschiebt sich dann das Setting von London nach Hamburg Close, das ist der Familien-Sitz der Familie Jevenigore und Familien sitzt es hier.
00:10:05: sehr wörtlich zu nehmen die Vorfahren von Sir Gervais waren bei den Kreuzzügen schon dabei und waren schon damals ziemlich alt eingesessen.
00:10:14: Wo dieses Herrenhaus liegt, ist nicht bekannt.
00:10:17: Die genannte Kraftschaft Westshire ist fiktiv.
00:10:20: Es muss irgendwo im nördlichen England liegen auf der Höhe von Yorkshire.
00:10:26: Und dann lernen wir in diesem Herrenhaus eine der typischen Ärger für Christi Familien kennen die übrigens eines mit ihrer eigenen Familie gemeinsam hat.
00:10:36: Familie bedeutet nicht nur Blutsverwandtschaft.
00:10:39: zur Familie gehören Menschen die einfach aus irgendwelchen Gründen irgendwann dazukommen und bleiben.
00:10:47: Das können Geschäftspartner sein, das können Freundinnen und Freunde sein – wer auch immer!
00:10:52: Bei Agatha Christie sind es zum Beispiel ihre Sekretärin gewesen, die im Laufe der Zeit zu einer vertrautenen Freundin wurde oder ihr Verleger dem sie nach den ersten fünf Bänden, als sie den Verlag gewechselt hat.
00:11:07: Dem sie dann lebenslang die Treue erhalten hat und das war auch eben mehr als eine Arbeits- oder Geschäftsbeziehung sondern es war eine Freundschaft.
00:11:17: in dieser Geschichte ist es zum Beispiel Colonel Burry ein alter Freund der Familie, mehr als nur ein wenig verliebt in die Hausherrin.
00:11:26: Natürlich hat er ein eigenes Zuhause aber er kreuzt so oft den Hamburrow close auf das wir praktisch zur Familie gehört.
00:11:34: Diese Familie übrigens...in ihr sind einige nicht alle finanziell von Sergei Weis abhängig, aber eher umgekehrt auch von ihnen.
00:11:43: mit seiner fast krankhaften Fixierung auf die Familiengeschichte und seine Übersteigerten Ego-Mani wäre er wahrscheinlich außerhalb dieses kleinen Kosmos nicht überlebensfähig.
00:11:54: Erst nach allem, was man hört unglaublich reich – auch wenn der Reichtum durch Wirtschaftskrisen und auch durch eigene Fehlentscheidungen nicht mehr das ist, was er mal war!
00:12:03: Aber trotzdem hier in diesem unglaublichen Reichturm liegt eindeutig ein Mortmotiv.
00:12:10: Aber wer gehört nun zu diesen kleinen Kosmus?
00:12:14: Indem wir uns bis zum Ende der Geschichte bewegen… Zunächst mal seine Frau, Lady Wanda.
00:12:20: Sie ist gleichzeitig eine scharfe Beobachterin ihrer Umgebung und eine völlig abgedrehte Spiritistin.
00:12:28: Nach seinem Tod zieht sie ihren Mann trotzdem an jeder Ecke – er schaut Erkult Porro über die Schulter
00:12:34: usw.,
00:12:35: und sie selbst hält sich für ein Wiedergeburt der ägyptischen Königin Hatshepsut.
00:12:39: Übrigens eine total spannende Wahl, denn diese Pharaonen, die im fünften Jahrhundert vor Christus regierte Die gilt als die erste mächtige Frau der Weltgeschichte, von der wir überhaupt wissen.
00:12:51: Die Ehe der beiden gilt übrigens als sehr glücklich – womöglich ist das Ganze spiritistische Primborium auch ein Schutzmechanismus oder einen Versuch in einer für Frauen wie sie einengenden Gesellschaft selbstwirksam zu sein.
00:13:06: Die beiden haben keine Kinder und deshalb Roof adoptiert.
00:13:10: Eine verwandte Roof ist wunderschön, lebenslustig mit eigenem Willen und mit ihrem Adoptivvater in einer Art Hassliebe verbunden.
00:13:19: Es sind noch mehr junge Leute anwesend – zum Beispiel Hugo Trent der Neffe von Sir Jervais sein leicht arrogantes Mitglied der Königlichen Pferdegarde die auch als The Blues bezeichnet werden Eine typische Agatha Christie Figur, eine typische männliche Agatha Christi Figur genauer gesagt.
00:13:36: Snobbistisch, leichtlebig, selbstbewusst und nicht besonders intelligent.
00:13:41: Und Sir Jervais muss irgendwie damit zurechtkommen dass Yugo zwar ein Nichts nutzt aber dann doch Familie ist und Familie geht für ihn schließlich über alles.
00:13:53: Dazu dann Susan Cardwell – eine attraktive Rotare geoffenbar eine Freundin von Roof Captain Lake, der charmante Gutsverwalter.
00:14:01: Der den ganzen Laden am Laufen hält – zumindest was die Außenanlagen betrifft und auch die Pechtern.
00:14:10: Godfrey Burrows, der Sekretär von Search Airways gut aussehend und auf seine Weise ähnlich von sich überzeugt wie Hugo Trent aber so wie Captain Lake außerhalb des Hauses ist er eben auch der innerhalb des Hauses einiges am Laufen hält.
00:14:26: Wie die Beziehung zwischen diesen jungen Leuten genau sind und was das alles mit Sir Jervais und dem Mord zu tun hat, wird am Anfang noch nicht klar.
00:14:34: Erhüllt sich aber ganz allmählich und bekommt dann zum Teil auf seine Weise große Bedeutung.
00:14:41: Schließlich dann noch drei ältere Personen – Miss Lingardt, eine Frau mittleren Altersdie Sir Javais dabei hilft, seine Memoaren, die gleichzeitig eine Familiengeschichte sind, zu schreiben!
00:14:53: Letztendlich bedeutet es, dass sie das Buch schreibt und ihm das Gefühl gibt, er ist der wahre Urheber.
00:14:59: Dann eben der schon erwähnte Colonel Burry ein langjähriger Freund der Familie, besonders der Lady – der gleichzeitig Geschäftspartner von Sir Trevace in einer Firma ist, die nicht wirklich gut läuft.
00:15:14: Und dann noch Mr Forbes der Familienanwalt auch eher offenbar mehr als nur ein Anwalt sondern ein Freund der regelmäßig zum Abendessen kommt.
00:15:24: Und zu all diesen Menschen kommt dann auch noch Erkühl Porro, den Sir Jervais per Telegramm herbestellt hat und sie versammeln sich um viertel nach acht vor dem Speisesaal Das plötzlich Porro auftaucht von dem die meisten gar nichts gewusst haben.
00:15:40: das irritiert sie aber weniger als dass Sir Javais nicht anwesend ist erst immer pünktlich zum Abendessen und Gäste, die das nicht ebenso halten werden einfach nicht mehr eingeladen.
00:15:52: Hier liegt wahrscheinlich der Ursprung des rätselhaften früheren deutschen Titels auch Pünktlichkeit kann töten ohne dass es irgendein Sinn ergab.
00:16:02: Der Gong ertönt so Jervais ist nicht da und als sie schließlich die Tür zu seinem Arbeitszimmer aufbrechen sitzt er tot auf seinem Schreibtischstuhl.
00:16:10: eine Kugel hat den Spiegel am Schreibtischen durchschlagen.
00:16:14: übrigens ein interessantes Detail.
00:16:17: Spiegel hängt und zwar genau dort, wo der, der am Schreibtisch sitzt sich jederzeit sehen kann.
00:16:24: So was für ein Macht.
00:16:25: vielleicht auch nur jemand mit einem sehr übersteigerten Selbstbewusstsein?
00:16:29: Das ist also Deadman's Mirror – Der Spiege des Toten.
00:16:34: Türen und Fenster sind verschlossen, auch die französischen Fenster, die ins Freie führen.
00:16:38: Der Tote hat den Schlüssel in der Tasche und natürlich deutet das alles auf einen Selbstmord hin weil wer will von außen in diesen Raum gelangt sein um Sir Jervais zu töten.
00:16:50: Aber ebenso natürlich wissen wir alle, dass es nicht so einfach ist vor allem weil es plötzlich eine Vielzahl von Motiven für Mord gibt und niemand sich auch nur im Geringsten vorstellen kann das Sir Javais plötzlich darauf kommen könnte die Welt vom Privileg seiner Existenz befreien.
00:17:14: Auf den ersten Blick ist es eine ganz typische Geschichte des Golden Age of Detection.
00:17:19: Agatha Christie liebste Stereotype sind versammelt und auf der anderen Seite ist es dann doch ein scharfes, ungeschöntes Bild ihrer Gesellschaft.
00:17:29: Wirklich glücklich ist die Familie, die wir kennenlernen nicht und es ist die Frage ob der Mord und seine Auflösung etwas daran ändern auch wenn es zunächst einmal das eine oder andere Happy End geben müsste.
00:17:42: Vielleicht sollte man bei Agatha Christie mal wegkommen, von dem Bild der gediegenen Plotschmedin.
00:17:49: Auch wenn der Plot die erste Klasse ist und vielleicht sollte man sie viel eher als eine Gesellschafts-Satirikerin sehen.
00:17:57: Fast hundert Jahre später können wir wahrscheinlich gar nicht mehr nachfühlen wie ihre Werke damals wirkte mit dem fein ironischen Blick auf ihre Gesellschaft ohne irgendeine Intention etwas an dieser Gesellschaft zu ändern zumindest auf literarischer Ebene.
00:18:14: Und wir können wahrscheinlich auch nicht nachvollziehen, woran es wirklich lag, dass sie in allen Gesellschafts- und Bildungsgeschichten verehrt wurde – auch bei Menschen die sonst mit Kriminalgeschichten sonst gar nicht so viel anfangen konnten!
00:18:28: Vielleicht lag es genau daran, das ihr eine Gesellschaft beschreibt aus der Sie selbst mit Ihrem eigenen Lebensentwurf in vieler Hinsicht ausbricht ohne sich als Rebellin zu stilisieren?
00:18:41: Insofern sind ihre Werke auch als Spiegelbilder ihrer Gesellschaft interessant, wenn man wissen will wie die Menschen damals dachten und tickten.
00:18:52: Gerade eine bestimmte Art von Menschen, denn sie bleibt ja in der Regel bei dem was sie kennt.
00:18:58: Beide Aspekte machen diese Geschichte zu einer sehr guten Novella, die auch heute noch finde ich zumindest gut zu lesen ist – und sie ist anders als The Second Gong auch oft Deutsch sehr gut erhältlich.
00:19:11: In der nächsten Folge geht es um den ganzen Sammelband Murder in the Muse, ich stelle alle vier Geschichten noch einmal kurz vor und werfe dann einen Blick auf das Gesamtkunstwerk – aber davon mehr beim nächsten Mal!
00:19:24: Für heute vielen Dank fürs Zuhören und alles Gute.